Museums-Tour

Grundlagen des Judentums

Der Lebensnerv des gläubigen Judentums sind die von G“tt in der »schriftlichen Tora«, also in den ersten fünf Büchern der Bibel, ein für allemal vor­gegebenen »613 Gebote und Verbote«. Sie wollen ständig durch die Diskussionen der Schriftgelehrten an die Antwort­bedürfnisse und an die Möglich­keiten der jeweils lebenden Generation heran­geführt werden.

Diese stets streitigen Be­mühungen der Schrift­gelehrten schlagen sich seit Jahrtausenden in der »mündlichen Tora« nieder, die nach jüdischer Überzeugung denselben Offenbarungsrang hat wie die »schriftliche Tora«.

Das Museum demonstriert den niemals an ein Ende kommenden Prozeß der Offenbarung, der sich immer wieder neu in den Bewegungen der »Halacha« zu Wort bringt. Und es zeigt die Details der Arbeit eines Tora­schreibers, der nicht nur die Torarollen herstellt, sondern auch Mesusot und Tefillin.

Leben und Feste

Für die gläubigen Juden gibt es eine von der Normalzeit sich unterscheidende Zeitstruktur. Sie setzen die Verehrung G“ttes in einen Rhythmus um, der den Alltag alternativ ordnet. Grund­legend geht es dabei um die drei täglichen Gebetszeiten, dann aber vor allem um den Schabbat und um die Jahres­feste mit ihren Riten.

All das sowie den ganz anderen jüdischen Jahreskalender erläutert und begründet das Museum.

Trauer und Gebet

Das Museum läßt sich detailliert auf die Stationen ein, die ein jüdisches Leben traditionellen Zuschnitts passiert: auf Geburt, Beschneidung, Namengebung, Bar und Bat Mizwa, Hochzeit sowie Sterben, Tod und Trauer.

Dazu erklärt es die Besonderheit jüdischen Betens und jüdischer Gebetbücher, die Ämter der Gemeinde und die Grundregeln für Essen und Trinken.

Juden in Würzburg

Seit 1100 leben Juden in Würzburg. Die Gemeinde macht zunächst einen steilen Aufstieg, der bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts anhält und die Stadt zu einer viel beachteten Adresse des »Talmud Tora« in Europa macht. Diese positive Entwicklung bricht erst in den Pogromen der Jahre 1298 und 1349 zusammen.

Am Ende des 19. Jahrhunderts erreichen die Würzburger Juden unter dem Rabbiner Seligmann Bär Bamberger noch einmal europäischen Rang: der »Würzburger Rav« exponiert sich weltweit als besonnener Vor­kämpfer einer weltoffenen Orthodoxie.

Die Schoah trifft die Würzburger Juden frontal. 895 Mitglieder der Gemeinde werden ermordet. Das Museum erinnert sorgfaltig ihre Namen.
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs gelingt es den Juden in Würzburg, ihre traditionell-jüdische Infrastruktur zu behaupten. Mit dem neuen Gemeindezentrum Shalom­Europa schaffen sie die Voraussetzungen für eine gelingende Integration der neuen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.

Jüdische Grabsteine 1147–1346

Ab Januar 1987 wurden beim Abriß eines Hauses im Würzburger Stadtteil Pleich 1456 jüdische Grabsteine und Grabsteinfragmente geborgen.
Sie entstammen der Zeit zwischen 1147 und 1346. Es ist die größte Hinterlassenschaft aus einem mittelalterlichen Judenfriedhof weltweit.

Die Würzburger Juden erkannten das Potential an richtung­weisender Jüdischkeit auf den Inschriften dieser Grabmale und deponierten sie daher bewußt und sichtbar im Fundament ihres neuen Gemeindezentrums.

18 Grabsteine erläutern darüber hinaus Themen des Museums.